Stadtplanung / Denkmalschutz
Schätze unserer Stadt
Hier können Sie einiges über die Gebäude erfahren, um die es geht: alle sind Baudenkmäler und haben eine besondere Bedeutung in Geschichte und Gegenwart unserer Stadt - und hoffentlich auch in Zukunft!
Nach § 2 Abs. 2 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes (NiDSchG) tragen das Land, die Gemeinden, Landkreise und sonstige Kommunalverbände die Pflicht, die ihnen gehörenden und genutzten Kulturdenkmäler zu pflegen, instand zu halten und vor Gefährdungen zu schützen. Die normalerweise für Privatpersonen geltende Einschränkung, dass Erhaltungsmaßnahmen nicht verlangt werden können, wenn die Erhaltung den Verpflichteten wirtschaftlich unzumutbar belastet, gilt ausdrücklich nicht für die öffentliche Hand (§7, Abs. 4 NiDSchG).
Die Kosten für Maßnahmen, die ausschließlich dem Erhalt der Baudenkmäler dienen, dürfen daher nicht in die Wirtschaftlichkeitsberechnungen bei den Variantenvergleichen eingehen.

Steinhof
Dieses im unteren Kern wahrscheinlich mittelalterliche Gebäude wurde 1721 durch den königlichen Hofrat Johann Dietrich Büsing weitgehend zurückgebaut und im repräsentativen Stil des Barock neu errichtet. Das für Münder so stadtbildprägende Haus und seine Vorgängerbauten waren im Laufe der Geschichte im Besitz von etlichen bedeutenden Familien, so den Grafen von Schaumburg und auch den Herzögen von Lüneburg. Ende des 18. Jahrhunderts erbte Georg Ludwig Hotzen das Haus, es ist deshalb auch als Hotzensches Herrenhaus bekannt.
Der Steinhof diente über Jahrzehnte als Hauptsitz der Verwaltung in Bad Münder. Viele Ehen wurden im repräsentativen Trauzimmer des Steinhofs geschlossen. Im Jahr 2021 wurden umfangreiche Schäden in der Dachkonstruktion des Gebäudes festgestellt, die in der Folge zum Auszug der Stadtverwaltung aus dem Gebäude geführt haben.
Baudenkmal gem. §3 Abs. 2 NDSchG
Bild: R. Faure (mit freundlicher Genehmigung)

Münchehof (ehem. Sparkasse)
Im Jahr 1596 baute Tilemann Büsing, seinerzeit noch Pächter des Steinhofes, auf dem eigenen Nachbargrundstück das bis heute erhaltene Renaissancegebäude, welches sich derzeit im Besitz der Sparkasse Hameln-Weserbergland befindet Dieser äußerst repräsentative Steinbau überzeugt insbesondere durch seine gut erhaltene Vorderfassade. Portal, Fenstergewände und nicht zuletzt der qualitätvoll gearbeitete Standerker gelten als Juwel des 16. Jahrhunderts im Stadtbild von Bad Münder.
Die Sparkasse verband das Gebäude im Jahr 1997 mit einem modernen Erweiterungsbau - beide Gebäude könnten zusammen mit einem sanierten Steinhof ein neues Stadtzentrum bilden.
Baudenkmal gem. §3 Abs. 2 NDSchG
Bild: R. Faure (mit freundlicher Genehmigung)

Altes Rathaus
Gut lesbar steht über dem Portal des alten Rathauses das Entstehungsjahr 1815. Allerdings befand sich das Gebäude laut alten Urkunden im Jahr 1816 noch in der Planung und wurde wahrscheinlich erst 1817 fertiggestellt.
Auch damals gab es ein Rathausproblem in Bad Münder: In drastischer Weise schilderten die Stadtoberen damals den Zustand ihres heruntergekommenen Rathauses mit dem Ziel, schnellstmöglich eine staatliche Genehmigung für den Neubau zu erwirken. Von einfallenden Gebäudeteilen und einstürzendem Dach war die Rede. Als Extravaganz wünschte man sich lediglich ein Türmchen für die Glocke der Rathausuhr von 1639.
Nach dem Auszug aus dem Steinhof ist das alte Rathaus im Moment der Hauptsitz der Stadtverwaltung, bietet aber in seinem momentanen Zustand trotz des schmucken Äußeren nur sehr schlechte Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden.
Baudenkmal gem. §3 Abs. 2 NDSchG
Bild: R. Faure (mit freundlicher Genehmigung)

Reste der alten Stadtmauer
Die Verbindung von historischem Münchehof mit dem Neubau der ehemaligen Sparkasse durchbricht einen Rest der historischen Stadtmauer von Bad Münder.
Könnte das nicht ein tolles Symbol dafür sein, dass die Stadtverwaltung in Bad Münder nicht nur für die Kernstadt, sondern auch für die Ortsteile arbeitet?
Wir brauchen ein Gesamtkonzept - keine isolierten Einzellösungen!
Der Rat hat am 20.06.2024 mit knapper Mehrheit den Neubau eines Rathauses am Standort Kellerstraße beschlossen. Im Ratsbeschluss heißt es: "Die Nachnutzung der freiwerdenden historischen Gebäude ist parallel zu entwickeln, sobald [...] ein verbindlicherer Umsetzungsplan für das Neubauvorhaben vorgelegt werden kann."
Wir denken, dass die Frage eines neuen Verwaltungssitzes Teil eines umfassenden Gesamtkonzeptes sein müsste, dass die historischen Gebäude mit einbezieht - und zwar, ohne sich vorher auf einen Neubau festzulegen!
Michael Meier, langjähriger Leiter des Museums in Bad Münder schreibt dazu in seinem offenen Brief an Rat und Bürgermeister vom 25.05.2025: "Aus Sicht der Städteplanung liegt es nahe, diese herausragendsten Gebäude der Stadt (Steinhof und ehem. Sparkasse, Anm. d. Red.) in ein Gesamtkonzept zusammenzufügen. Ausschließlich an dieser Stelle besteht die einmalige Chance in Bad Münder einen offenen und attraktiven Rathausplatz zu gestalten. Abgegrenzt durch die repräsentativen Gebäude bietet ein solcher Ort enormes Potential, die Attraktivität des Stadtzentrum erheblich aufzuwerten.
Und Hermann Wessling, Vorsitzender des Forum Glas und seit Jahrzehnten in zahlreichen Funktionen in Bad Münder aktiv, erinnert sich in seinem offenen Brief am 30.05.2025: "dass bei der Stadtsanierung in den 1980er und 1990er Jahren die Gestaltung des Steinhof-Platzes als repräsentativer Stadtplatz eigentlich der krönenden Abschluss der Stadtsanierung werden sollte, aber mangels Mittel nicht realisiert worden ist. Das könnte jetzt versucht werden, wenn dort der Sitz des künftigen Rathauses sein sollte. Außerdem wäre zu prüfen, ob für diese Infrastruktur-Maßnahme Fördermittel beantragt werden könnten."
Sorgen wir mit unseren Stimmen dafür, dass diese einmalige Chance ergriffen wird!

