Nachhaltigkeit

Warum ein Umbau (fast) immer besser als ein Neubau ist...

 

Die besondere Verantwortung der Kommunen 

Wir bewegen uns mit großer Geschwindigkeit in eine Klimakrise. Als Gesamtgesellschaft müssen wir in den nächsten Jahren enorme Anstrengungen sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Sektor unternehmen, um die Klimaziele, zu denen wir uns im Pariser Abkommen verpflichtet haben, wenigstens annähernd einzuhalten. Bis zum Jahr 2045 muss Deutschland netto treibhausgasneutral sein. [1
Im Bundes-Klimaschutzgesetz heißt es: „Die Träger öffentlicher Aufgaben haben bei ihren Planungen und Entscheidungen den Zweck dieses Gesetzes und die zu seiner Erfüllung festgelegten Ziele zu berücksichtigen“. [2]

Ist es daher nicht sinnvoll, ein neues Gebäude zu bauen, das die besten energetischen Standards einhalten kann, statt ein altes Gebäude umzubauen und dabei auch Kompromisse in der Energieeffizienz einzugehen? 

Energie sparen durch Neubau?

40% der Treibhausgasemissionen in Deutschland entfallen heute auf den Gebäudesektor. [3] Davon ist allerdings nur knapp ein Drittel dem Energieverbrauch während der Nutzungsphase zuzuordnen. Zwei Drittel entfallen auf die Bau- und Abbruchphase. [3]  Ein großer Anteil geht dabei auf den verwendeten Beton bzw. Zement zurück, aber auch auf andere energieintensive Baustoffe wie Stahl, Glas, Ziegeln, Dämmstoffe usw., man bezeichnet das als sogenannte „graue Emissionen“.
Eine weitere Treibhausgasbelastung entsteht beim Abriss und der Entsorgung der Baumaterialien, so werden z.B. über 70% des bei Abrissen anfallenden Holzes verbrannt und das dort gespeicherte CO2 wieder freigesetzt.[4]
Man stellt diese „Treibhausgas-Kosten“ der Abriss und Bauphase gerne den Einsparungen in der Nutzungsphase der Gebäude gegenüber, die unter Umständen ja sehr lang sein kann. Und tatsächlich ergibt sich bei einer konventionellen Beheizung mit Gas oder Öl langfristig für den Neubau ein echter Vorteil. Nun werden neue Gebäude wie auch umgebaute oder sanierte Altbauten aber sicherlich mit Wärmepumpen beheizt, benötigen also für den Betrieb elektrische Energie. Aufgrund des jetzt schon hohen Anteils (in 2024 63% aus erneuerbaren Energien [5]) und der weiteren Zunahme von sogenanntem „grünen Strom“ aus regenerativen Quellen ist die CO2-Bilanz in der Nutzungsphase deutlich besser und wird bis 2045 auf null zurückgehen.

Aus Berechnungen des Wuppertal Instituts geht hervor, dass die hohen Treibhausgasemissionen, die bei Abriss und Neubau von Gebäuden entstehen, selbst heute schon beim Einsatz von effizienten Technologien zur Wärmeerzeugung dem ca. 100fachen der jährlichen Treibhausgasemissionen im Betrieb entsprechen.[6]


Nicht nur ein Energie- sondern auch ein Ressourcen-Problem

Aber es gibt nicht nur das Klima-Argument gegen einen Neubau: wir haben auch ein Ressourcen-Problem. Unsere mineralischen Ressourcen werden nicht unendlich zur Verfügung stehen. Lt. der Rescue-Studie der Bundesregierung müssen wir den Rohstoffeinsatz in den nächsten Jahren um ca. 60% senken.[7] Im Moment geht die Hälfte der mineralischen Rohstoffe in den Hochbau, die andere Hälfte in die Infrastruktur. Wenn wir also in Zukunft noch Material für Ausbau von Schienen, Erneuerung von Straßen usw. haben wollen, müssen wir auch hier drastisch umdenken.

... und was passiert mit dem Müll? 

55% des Abfallaufkommens in Deutschland sind Bau- und Abbruchabfälle, das sind 229 Mio Tonnen im Jahr.[4]  Nennenswertes echtes Recycling findet dabei im Moment nur bei Metallen statt. Die größte Menge der mineralischen Abfälle wird downgecycelt im Straßenbau verwendet. 

Führende Architekten sprechen sich für ein "Abriss-Moratorium" aus

Aufgrund der immensen Probleme, die Abriss und Neubau für unser Klima und in den Stoffkreislaufsystemen verursachen, sprechen sich heute viele Architektinnen und Architekten in Deutschland für ein Abriss-Moratorium aus. Zu den Unterstützern gehören z.B. auch der Bund Deutscher Architekten (BDA), die Architektenkammern in Berlin und Bremen, der Deutsche Werkbund, Architects for Future und viele mehr.[8]

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